Gemeinderätin Theresa Ringler

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden in Innsbruck verschiedene gesellschaftliche Gruppen verfolgt, vertrieben und ermordet. Neben jüdischen MitbürgerInnen betraf dies u.a. Jenische, Homosexuelle, Angehörige der Zeugen Jehovas und Wehrdienstverweigerer. Die genaue Anzahl ist unbekannt. Bisher wurde einiger weniger mittels einer Straßenbenennung gedacht (z.B. Richard-Berger-Straße). Nun wird mit „Zeitpunkte“ ein Projekt umgesetzt, das ein Gedenkzeichen am letzten freiwillig gewählten Wohnort setzt.

„Die Zeitpunkte sind eine ästhetisch ansprechende, zeitgemäße und würdevolle Form des Gedenkens. Durch den Fokus auf die Namen der Opfer entsteht eine sehr persönliche Wirkung“, zeigt sich Für Innsbruck Kultursprecherin und stellvertretende Vorsitzende des Innsbrucker Kulturausschusses, Gemeinderätin Theresa Ringler, mit dem beschlossenen Projekt zufrieden.


Projekt und Umsetzung

Das Stadtarchiv/Stadtmuseum wurde beauftragt, gemeinsam mit der israelitischen Kultusgemeinde, dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck und den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB) eine moderne Herangehensweise zu entwickeln. Als Ergebnis dieser Überlegungen wurde ein zweistufiger internationaler Wettbewerb initiiert. Dieser Prozess wurde von einer Sach- und einer Fachjury begleitet. Einstimmig ging das Konzept der Firma Proxi Design als Sieger hervor. Letzteres wurde in der Sitzung des Kulturausschusses am 4. Mai 2022 vorgestellt und vom Ausschuss zur Umsetzung empfohlen.

Vorgesehen ist, dass an den von der IKB betreuten Masten etwa sieben bis zehn Zentimeter im Durchmesser und etwa zwei bis drei Zentimeter dicke Messingscheiben auf Augenhöhe angebracht werden. In Siebdruck mit Pulverbeschichtung ist der Schriftzug „Für [Vorname] [Nachname]“ angebracht. Eine zweite Scheibe weiter unten wird mit einem QR-Code versehen, der auf eine Webseite verweist, auf der umfangreiche weitere Informationen (Biographie,Stadtplan, Mehrsprachigkeit etc.) abgerufen werden können.

Zu Projektstart werden von der Stadt Innsbruck in Zusammenarbeit mit dem Programm des Bildungsministeriums www.erinnern.at etwa zehn ‚Zeitpunkte‘ erarbeitet. Die Webseite, die Teil des Auftrages ist, wird in die neue Webseite der Stadt – welche noch heuer online gehen soll –  implementiert.

Mittelfristig sieht das Konzept vor, dass weitere Erinnerungszeichen vor allem auf Antrag aus der Zivilgesellschaft errichtet werden. „Eine ExpertInnenkommission – die es noch zu definieren gilt – soll künftig halbjährlich gemeinsam mit dem Stadtarchiv/Stadtmuseum die Einreichung auf ihre inhaltliche Qualität bzw. historische Richtigkeit beurteilen und über die Anbringung eines ‚Zeitpunktes‘ entscheiden“, erklärt der Leiter des Stadtarchiv/Stadtmuseum, Dr. Lukas Morscher.  (IKM, FI)